Auf einen Blick
In der Schwangerschaft empfiehlt die STIKO bestimmte Impfungen ausdrücklich – darunter Influenza und Pertussis (Keuchhusten). Totimpfstoffe gelten als sicher, Lebendimpfstoffe werden dagegen gemieden. In der Stillzeit sind die meisten Impfungen unbedenklich und schützen sogar das Baby über die Muttermilch. Der deutsche Kinder-Impfplan legt fest, wann welche Impfungen im ersten Lebensjahr beginnen sollten.
Impfungen in der Schwangerschaft: Was gilt wirklich?
Schwangerschaft und Impfung – kaum ein Thema löst in Geburtsvorbereitungskursen so viel Diskussion aus. Dabei ist die Grundregel eigentlich simpel: Totimpfstoffe ja, Lebendimpfstoffe nein.
Totimpfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Erreger. Sie können das ungeborene Kind nicht infizieren. Lebendimpfstoffe hingegen – wie MMR (Masern, Mumps, Röteln) oder Varizellen – enthalten abgeschwächte, aber noch aktive Viren. Das Risiko einer Übertragung auf den Fötus ist zwar theoretisch, aber nicht auszuschließen. Deshalb werden sie in der Schwangerschaft grundsätzlich vermieden.
Welche Impfungen sind in der Schwangerschaft empfohlen?
Die STIKO empfiehlt Schwangeren aktuell folgende Impfungen:
- Influenza (Grippe): Ab dem 2. Trimester, bei Vorerkrankungen auch früher. Schützt Mutter und Kind.
- Pertussis (Keuchhusten): Ab der 28. Schwangerschaftswoche, bei jeder Schwangerschaft erneut. Besonders wichtig, da Neugeborene bis zur ersten eigenen Impfung ungeschützt sind.
- COVID-19: Empfohlen für alle Schwangeren ab dem 2. Trimester. mRNA-Impfstoffe gelten als sicher.
- RSV: Seit 2024 neu empfohlen – einmalig zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche. Schützt das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor schwerem RSV-Verlauf.
Klingt nach viel? Ist es auch. Aber jede dieser Impfungen hat einen konkreten Grund: Neugeborene kommen ohne eigenen Impfschutz zur Welt. Antikörper, die du in der Schwangerschaft bildest, überträgst du aktiv auf dein Kind – das nennt sich passive Immunisierung. Besonders beim Keuchhusten kann das Leben retten.
Lebendimpfstoffe: Was du in der Schwangerschaft meiden solltest
Röteln, Masern, Mumps, Varizellen, Gelbfieber – all das sind Lebendimpfstoffe. Sie stehen in der Schwangerschaft auf der roten Liste. Nicht weil sie nachweislich schaden, sondern weil das Risiko nicht vollständig ausgeschlossen werden kann und es keinen Grund gibt, es einzugehen.
Was tun, wenn du nicht weißt, ob du gegen Röteln immun bist? Lass deinen Immunstatus vor der Schwangerschaft prüfen. Fehlender Rötelnschutz ist einer der häufigsten Gründe, warum Frauen kurz vor der Familienplanung noch geimpft werden sollten – und dann mindestens vier Wochen warten, bevor sie schwanger werden.
Stillzeit und Impfschutz: Mehr Sicherheit als du denkst
Nach der Geburt stellen viele Mütter die Frage: Darf ich jetzt wieder geimpft werden? Und was ist mit dem Baby, das ich stille?
Die gute Nachricht: In der Stillzeit sind fast alle Impfungen unbedenklich. Auch Lebendimpfstoffe wie MMR oder Varizellen können nach der Geburt gegeben werden – selbst wenn du stillst. Die Impfviren gehen nicht in die Muttermilch über, oder wenn doch in minimalen Mengen, dann ohne Krankheitswert für das Kind.
Impfschutz über die Muttermilch
Muttermilch enthält Antikörper – das wissen die meisten. Aber weißt du auch, dass frisch geimpfte Mütter über die Muttermilch spezifische Antikörper an ihr Kind weitergeben können? Das ist kein Ersatz für die eigene Impfung des Kindes, aber ein echter Zusatzschutz in den ersten Lebensmonaten.
Besonders relevant: Influenza-Impfung in der Stillzeit. Babys unter sechs Monaten können nicht selbst gegen Grippe geimpft werden. Eine geimpfte, stillende Mutter schützt ihr Kind also doppelt – durch Antikörper in der Milch und durch reduzierte eigene Ansteckungsgefahr.
Der Kinder-Impfplan in Deutschland: Wann wird was geimpft?
Der Kinder-Impfplan Deutschland ist das Herzstück der Vorsorge für Neugeborene und Kleinkinder. Die STIKO gibt ihn jährlich heraus – und er ist detaillierter, als viele Eltern ahnen.
Ab der 6. Lebenswoche beginnen die ersten Impfungen. Das klingt früh, ist aber bewusst so gewählt: Säuglinge sind in den ersten Lebensmonaten am anfälligsten für schwere Verläufe von Infektionskrankheiten wie Keuchhusten oder Hib-Meningitis.
| Alter | Impfung(en) | Impfstoff-Typ | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Ab 6. Woche | Rotaviren | Lebendimpfstoff (oral) | Schluckimpfung, 2–3 Dosen |
| 2. Monat | 6-fach-Impfung (DTaP-IPV-Hib-HepB), Pneumokokken | Totimpfstoff | Kombinationsimpfstoff, 1. Dosis |
| 4. Monat | 6-fach-Impfung, Pneumokokken | Totimpfstoff | 2. Dosis |
| 11. Monat | 6-fach-Impfung, Pneumokokken, Meningokokken B | Totimpfstoff | Auffrischung + Meningokokken B neu |
| 12. Monat | MMR (Masern, Mumps, Röteln), Varizellen | Lebendimpfstoff | 1. Dosis, 2. Dosis ab 15. Monat |
| 15. Monat | MMR, Varizellen, Meningokokken C | Lebend- und Totimpfstoff | 2. Dosis MMR/Varizellen |
| 5.–6. Lebensjahr | DTaP-IPV (Auffrischung) | Totimpfstoff | Vorschulalter, vor Schulbeginn |
Was auffällt: Die meisten Impfungen im ersten Lebensjahr sind Totimpfstoffe. Die Lebendimpfstoffe kommen erst ab dem 12. Monat – wenn das Immunsystem des Kindes reif genug ist, damit umzugehen.
Was passiert, wenn Impftermine verpasst werden?
Das Leben mit Baby ist chaotisch. Krankheiten, Urlaube, vergessene Termine – es passiert. Die gute Nachricht: Verpasste Impftermine müssen nicht von vorne begonnen werden. Der Impfplan wird einfach dort fortgesetzt, wo er unterbrochen wurde. Beim Kinderarzt nachfragen, welche Dosis als nächstes fällig ist.
Impfreaktionen bei Kindern und Schwangeren: Was ist normal?
Nach einer Impfung können Reaktionen auftreten – das ist kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist. Im Gegenteil: Eine leichte Rötung an der Einstichstelle oder ein kurzes Fieber zeigen, dass das Immunsystem reagiert.
Bei Säuglingen sind nach der 6-fach-Impfung folgende Reaktionen häufig:
- Rötung, Schwellung oder Schmerz an der Einstichstelle (bis zu 3 Tage)
- Fieber bis 39 °C (selten höher)
- Unruhe, vermehrtes Schreien
- Appetitlosigkeit für 1–2 Tage
Bei Schwangeren sind Impfreaktionen nach Influenza oder Pertussis ähnlich mild: Muskelschmerzen, leichte Müdigkeit, gelegentlich ein Kribbeln an der Einstichstelle. Fieber über 39 °C sollte in der Schwangerschaft immer ärztlich abgeklärt werden – nicht wegen der Impfung, sondern weil hohes Fieber generell ein Risiko darstellt.
Mehr dazu, wie du Impfreaktionen erkennst und richtig handelst, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Schritt für Schritt: So planst du Impfungen rund um die Schwangerschaft
Klingt alles kompliziert? Muss es nicht sein. Hier ist ein klarer Fahrplan:
- Impfstatus prüfen (vor der Schwangerschaft): Lass beim Hausarzt oder Gynäkologen deinen Impfpass checken. Fehlende Impfungen gegen Röteln, Masern, Varizellen und Keuchhusten jetzt nachholen.
- Lebendimpfstoffe abschließen: Mindestens 4 Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft alle Lebendimpfstoffe verabreichen lassen. Danach keine weiteren Lebendimpfstoffe in der Schwangerschaft.
- Influenza-Impfung im 2. Trimester: Am besten zwischen der 13. und 28. Schwangerschaftswoche – oder früher bei Vorerkrankungen. Jährlich wiederholen.
- Pertussis-Impfung ab der 28. SSW: Bei jeder Schwangerschaft neu impfen lassen, auch wenn die letzte Impfung noch nicht lange her ist. Der Schutz für das Neugeborene ist das Ziel.
- RSV-Impfung zwischen 32. und 36. SSW: Neu seit 2024 – einmalig in der Schwangerschaft, schützt das Baby in den ersten Lebensmonaten vor schwerem RSV.
- Nach der Geburt: Impflücken schließen: Alle Impfungen, die in der Schwangerschaft nicht möglich waren (z. B. MMR), jetzt nachholen. Auch in der Stillzeit unbedenklich.
- Kinder-Impfplan starten: Ab der 6. Lebenswoche beginnt der Impfplan für dein Kind. Termine beim Kinderarzt frühzeitig vereinbaren – gerade für die ersten Monate sind die Praxen oft ausgebucht.
Häufige Mythen rund um Impfungen in der Schwangerschaft
Kaum ein Thema ist so anfällig für Halbwahrheiten wie Impfungen in der Schwangerschaft. Ein paar der hartnäckigsten Mythen im Faktencheck:
„Impfungen in der Schwangerschaft schaden dem Baby." Falsch – für empfohlene Totimpfstoffe gibt es keine Belege für Schäden. Im Gegenteil: Ungeimpfte Schwangere haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe, die das Kind gefährden können.
„Ich stille – also darf ich nicht geimpft werden." Ebenfalls falsch. Die meisten Impfungen sind in der Stillzeit ausdrücklich erlaubt und empfohlen.
„Mein Kind bekommt zu viele Impfungen auf einmal." Das Immunsystem eines Säuglings ist täglich mit Tausenden von Antigenen konfrontiert. Die Antigene in Kombinationsimpfstoffen sind dagegen verschwindend gering. Kombinationsimpfstoffe reduzieren außerdem die Zahl der Einstiche.
Wenn du mehr über den allgemeinen Impfschutz in Deutschland erfahren möchtest, empfehle ich unseren Coronavirus-Impfratgeber – dort erklären wir auch, wie Impfentscheidungen in Deutschland getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Welche Impfungen sind in der Schwangerschaft erlaubt?
- In der Schwangerschaft sind Totimpfstoffe erlaubt und teilweise empfohlen – darunter Influenza, Pertussis, COVID-19 und RSV. Lebendimpfstoffe wie MMR oder Varizellen werden in der Schwangerschaft nicht gegeben.
- Kann ich in der Stillzeit geimpft werden?
- Ja, in der Stillzeit sind fast alle Impfungen unbedenklich – auch Lebendimpfstoffe wie MMR und Varizellen. Die Impfviren gehen nicht in relevanter Menge in die Muttermilch über und gefährden das Baby nicht.
- Wann beginnt der Kinder-Impfplan in Deutschland?
- Der Kinder-Impfplan in Deutschland beginnt ab der 6. Lebenswoche mit der Rotavirus-Schluckimpfung. Ab dem 2. Lebensmonat folgt die 6-fach-Impfung. Die STIKO gibt den aktuellen Plan jährlich heraus.
- Warum wird Keuchhusten in jeder Schwangerschaft neu geimpft?
- Neugeborene sind bis zur ersten eigenen Impfung ungeschützt gegen Keuchhusten. Die Impfung ab der 28. SSW überträgt Antikörper auf das Kind und schützt es in den ersten Lebenswochen – deshalb bei jeder Schwangerschaft erneut.
- Was ist die RSV-Impfung in der Schwangerschaft?
- Die RSV-Impfung wird seit 2024 für Schwangere zwischen der 32. und 36. Woche empfohlen. Sie schützt das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor schweren RSV-Atemwegserkrankungen.
- Was passiert, wenn mein Kind einen Impftermin verpasst hat?
- Verpasste Impftermine müssen nicht von vorne begonnen werden. Der Impfplan wird einfach dort fortgesetzt, wo er unterbrochen wurde. Der Kinderarzt gibt Auskunft, welche Dosis als nächstes fällig ist.
- Sind Impfreaktionen bei Säuglingen nach der 6-fach-Impfung normal?
- Ja, leichte Rötungen, Schwellungen, Fieber bis 39 °C und Unruhe sind nach der 6-fach-Impfung häufig und normal. Sie zeigen, dass das Immunsystem reagiert, und klingen in der Regel nach 1–3 Tagen ab.