Impfungen funktionieren, indem sie das Immunsystem mit harmlosen Erregermerk­malen konfrontieren – und es so auf den echten Angriff vorbereiten.

Der Körper lernt dabei, einen Erreger zu erkennen, ohne krank zu werden. Er bildet Antikörper, aktiviert spezialisierte Abwehrzellen und legt ein immunologisches Gedächtnis an. Kommt der echte Erreger später, reagiert das Immunsystem blitzschnell. Wie genau das abläuft, welche Impfstofftypen es gibt, wie wirksam sie sind – und was hinter Nebenwirkungen steckt – erfährst du hier, fundiert und mit konkreten Zahlen.

Das Grundprinzip: Wie eine Impfung das Immunsystem trainiert

Stell dir das Immunsystem als eine Armee vor, die noch nie einen bestimmten Feind gesehen hat. Beim ersten echten Kontakt braucht sie Zeit, um die richtigen Waffen zu entwickeln – und genau diese Zeit kann bei einer schweren Infektion fehlen. Eine Impfung löst dieses Problem elegant: Sie zeigt der Armee ein harmloses Abbild des Feindes, damit sie sich vorbereiten kann, bevor der echte Angriff kommt.

Technisch gesprochen präsentiert ein Impfstoff dem Immunsystem sogenannte Antigene. Das sind Bestandteile oder Merkmale eines Krankheitserregers – zum Beispiel ein Oberflächenprotein eines Virus – die das Immunsystem als fremd erkennt. Diese Erkennung löst eine koordinierte Immunantwort aus, die in drei Stufen abläuft.

Stufe 1: Antikörperproduktion durch B-Zellen

Sobald B-Zellen ein Antigen erkennen, werden sie aktiviert und verwandeln sich in Plasmazellen. Diese produzieren spezifische Antikörper – Proteine, die genau auf das Antigen passen wie ein Schlüssel auf ein Schloss. Besonders wichtig sind dabei sogenannte neutralisierende Antikörper: Sie umhüllen Viren regelrecht und verhindern so, dass diese an Körperzellen andocken und sie infizieren können. Nach einer Masernimpfung ist die erste messbare Antikörperantwort (IgM) bereits nach 10 bis 14 Tagen im Blut nachweisbar.

Stufe 2: Zelluläre Abwehr durch T-Zellen

Parallel zur Antikörperproduktion werden T-Zellen aktiv. T-Helferzellen (CD4+) koordinieren die gesamte Immunantwort und unterstützen die B-Zellen bei ihrer Arbeit. Zytotoxische T-Zellen (CD8+) übernehmen eine andere, ebenso wichtige Aufgabe: Sie erkennen und zerstören Körperzellen, die bereits von einem Virus befallen wurden. Das stoppt die Produktion neuer Viren direkt an der Quelle. Diese zelluläre Immunität ist besonders bei Viren entscheidend, die sich in Zellen verstecken und so der Antikörperabwehr entgehen können.

Stufe 3: Das immunologische Gedächtnis

Nach der Immunantwort sterben die meisten Abwehrzellen wieder ab – aber nicht alle. Sowohl B- als auch T-Zellen hinterlassen langlebige Gedächtniszellen, die sich die Merkmale des Erregers dauerhaft merken. Diese Zellen können über Jahrzehnte im Körper erhalten bleiben. Kommt der echte Erreger später, erkennen sie ihn sofort. Die Reaktion ist dann so schnell und so stark, dass die Infektion gestoppt wird, bevor sie sich ausbreiten und Symptome verursachen kann. Das ist der eigentliche Kern des Impfschutzes: nicht die Antikörper zum Zeitpunkt der Impfung, sondern die Fähigkeit des Körpers, sie bei Bedarf blitzschnell neu zu produzieren.

Dieses Prinzip gilt für alle Impfstofftypen – ob Totimpfstoff, Lebendimpfstoff oder mRNA-Impfstoff. Der Unterschied liegt darin, wie das Antigen dem Immunsystem präsentiert wird.

💡 Tipp

Du hast nach einer Impfung keine Beschwerden gespürt? Das bedeutet nicht, dass sie nicht gewirkt hat. Auch ohne spürbare Reaktion kann das Immunsystem eine vollständige Gedächtnisantwort aufbauen. Das Fehlen von Symptomen ist kein Zeichen mangelnder Wirksamkeit.

Impfstoffarten im Vergleich: Totimpfstoff, Lebendimpfstoff und mRNA-Impfstoff

Nicht alle Impfstoffe funktionieren gleich. Je nachdem, wie ein Impfstoff das Antigen präsentiert, unterscheiden sich Stärke der Immunantwort, Schutzdauer und mögliche Nebenwirkungen erheblich. Es gibt drei grundlegende Typen.

Totimpfstoffe: sicher, aber mit Einschränkungen

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur einzelne Erregerbestandteile wie Proteine oder Polysaccharide. Da sie sich nicht vermehren können, ist eine Erkrankung durch den Impfstoff ausgeschlossen. Die Immunantwort ist primär humoral – das heißt, es werden vor allem Antikörper gebildet. Weil die Immunreaktion oft schwächer ausfällt als bei einer echten Infektion, brauchen Totimpfstoffe häufig Adjuvanzien: Hilfsstoffe wie Aluminiumsalze, die das Immunsystem zusätzlich aktivieren und die Antikörperproduktion ankurbeln. Der Schutz ist zeitlich begrenzt, regelmäßige Auffrischungen sind nötig. Beispiele: Grippe, Keuchhusten, Hepatitis A, Tollwut, Pneumokokken. Auch mRNA-Impfstoffe werden dieser Kategorie zugeordnet, weil sie keine vermehrungsfähigen Viren enthalten.

Lebendimpfstoffe: stark und langanhaltend

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Sie ahmen eine echte Infektion nach – nur eben in einer harmlosen Version. Das Ergebnis ist eine besonders starke Immunantwort: sowohl humoral (Antikörper) als auch zellulär (T-Zellen). Deshalb schützen Lebendimpfstoffe oft lebenslang und brauchen meist keine Adjuvanzien. In seltenen Fällen kann eine abgeschwächte Form der Erkrankung auftreten, die sogenannte Impfkrankheit: Nach der MMR-Impfung entwickeln etwa 2 % der Geimpften einen masernähnlichen Ausschlag, nach der Rötelnimpfung klagen rund 5 % über Gelenkschmerzen. Diese Reaktionen sind harmlos und klingen von selbst ab. Beispiele: Masern-Mumps-Röteln (MMR), Windpocken (Varizellen).

mRNA-Impfstoffe: ein neues Prinzip

mRNA-Impfstoffe liefern keinen Erreger, sondern einen genetischen Bauplan – die Boten-RNA (mRNA) – für ein einzelnes Erregerprotein. Im Fall der COVID-19-Impfstoffe ist das das Spike-Protein von SARS-CoV-2. Körperzellen lesen diesen Bauplan ab und produzieren das Protein selbst. Das Immunsystem erkennt es als fremd und bildet Antikörper sowie T-Zellen. Ein häufiges Missverständnis: Die mRNA wird nicht in die DNA eingebaut. Sie gelangt nicht in den Zellkern, wird nach kurzer Zeit abgebaut, und das menschliche Erbgut bleibt vollständig unverändert. Die Antigenproduktion endet, sobald die mRNA abgebaut ist. Beispiele: Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Moderna), beide gegen COVID-19.

Totimpfstoff vs. Lebendimpfstoff vs. mRNA-Impfstoff
Merkmal Totimpfstoff Lebendimpfstoff mRNA-Impfstoff
Inhalt Abgetötete Erreger oder Erregerbestandteile Abgeschwächte, vermehrungsfähige Erreger Genetischer Bauplan (mRNA) für ein Antigen
Vermehrungsfähig Nein Ja (abgeschwächt) Nein
Immunantwort Primär humoral (Antikörper) Humoral + zellulär (stark) Humoral + zellulär
Adjuvanzien nötig Oft ja Meist nein Nein
Schutzdauer Begrenzt, Auffrischung nötig Oft lebenslang Begrenzt, Auffrischung nötig
Impfkrankheit möglich Nein Ja (selten, abgeschwächt) Nein
DNA-Integration Nein Nein Nein
Beispiele Grippe, Keuchhusten, Hepatitis A MMR, Varizellen COVID-19 (BioNTech, Moderna)

Impfeffektivität: Wie gut schützen Impfungen wirklich?

Impfschutz ist keine Frage von Alles-oder-Nichts. Die Effektivität variiert je nach Impfstoff, Erreger und Zeitpunkt der Messung erheblich. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie groß die Unterschiede sein können.

Die Masernimpfung gehört zu den wirksamsten Impfstoffen überhaupt. Nach zwei Dosen liegt die Schutzrate bei über 97 %. Das ist kein Zufall: Masernviren verändern sich kaum, und der Lebendimpfstoff erzeugt eine starke, langanhaltende Immunantwort. Damit Masern in einer Bevölkerung nicht mehr zirkulieren können, müssen etwa 95 % der Menschen immun sein – das ist die sogenannte Herdenimmunitätsschwelle. Liegt die Impfquote darunter, können auch Ungeimpfte oder Menschen mit Impfversagen angesteckt werden.

Die COVID-19-mRNA-Impfstoffe erreichten kurz nach der Grundimmunisierung eine Effektivität von rund 95 % gegen symptomatische Infektionen. Das war beeindruckend – aber zeitlich begrenzt. Mit dem Aufkommen neuer Varianten und nachlassender Immunität sank der Schutz vor Infektion je nach Variante und Impfstoff auf 55 bis 90 %. Der Schutz vor schweren Verläufen blieb länger erhalten. Menschen, die sowohl eine Infektion durchgemacht als auch geimpft wurden (hybride Immunität), hatten laut Studiendaten etwa sechs Monate lang einen besonders guten Schutz vor schweren Verläufen.

Am anderen Ende der Skala steht die Grippe-Impfung. Ihre Effektivität liegt im Durchschnitt nur bei 40 bis 60 %. Der Grund: Influenzaviren verändern sich ständig durch Antigendrift und Antigenshift. Der Impfstoff wird zwar jährlich an die voraussichtlich zirkulierenden Stämme angepasst – aber die Übereinstimmung ist nie perfekt. Ein angepasster Impfstoff ist dabei immerhin rund 10 % wirksamer als der des Vorjahres. Trotz der begrenzten Effektivität reduziert die Grippeimpfung schwere Verläufe, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle – besonders bei älteren Menschen und Risikogruppen – deutlich.

Impfeffektivität im Vergleich: Masern, COVID-19 und Influenza

0 % 33 % 66 % 100 % >97 % Masern (2 Dosen) ~95 % COVID-19 (mRNA, initial) 60 % Influenza (Obergrenze) 40 % Influenza (Untergrenze) Impfstoff / Szenario Effektivität (%)
Quellen: RKI, Fachliteratur. Influenza-Effektivität variiert jährlich je nach Stammübereinstimmung.

ℹ️ Gut zu wissen

Herdenimmunität schützt auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können – etwa Neugeborene oder Immungeschwächte. Bei Masern ist dafür eine Impfquote von rund 95 % nötig. Liegt sie darunter, können Ausbrüche entstehen, die auch Geimpfte mit primärem Impfversagen treffen.

Impfversagen: Wenn der Schutz ausbleibt oder nachlässt

Kein Impfstoff schützt zu 100 %. Bei 1 bis 10 % der Geimpften baut sich keine ausreichende Immunantwort auf. Das klingt zunächst beunruhigend – ist aber biologisch erklärbar und hat konkrete Ursachen.

Man unterscheidet zwei Formen des Impfversagens. Beim primären Impfversagen wird von Anfang an keine Immunität aufgebaut. Ein messbarer Antikörpertiter bleibt aus, obwohl die Impfung korrekt verabreicht wurde. Das kann genetische Ursachen haben: Manche Menschen exprimieren bestimmte Immunrezeptoren weniger stark oder reagieren auf spezifische Antigene schlicht schwächer. Auch eine bestehende Immundefizienz – ob angeboren oder erworben – kann dazu führen, dass das Immunsystem nicht ausreichend auf den Impfstoff anspricht.

Beim sekundären Impfversagen war zunächst eine Immunantwort vorhanden, die aber über die Zeit nachlässt. Das ist bei Totimpfstoffen häufiger als bei Lebendimpfstoffen. Beim COVID-19-Schutz gegen die Omikron-Variante war dieses Phänomen besonders deutlich sichtbar: Der Schutz vor Infektion sank innerhalb weniger Monate erheblich, während der Schutz vor schweren Verläufen länger bestehen blieb.

Weitere Ursachen für Impfversagen sind das Alter – ältere Menschen haben oft ein weniger reaktionsfähiges Immunsystem (Immunseneszenz) – sowie externe Faktoren wie fehlerhafte Lagerung des Impfstoffs. Viele Impfstoffe müssen bei bestimmten Temperaturen gelagert werden; eine Unterbrechung der Kühlkette kann die Wirksamkeit erheblich reduzieren oder ganz zerstören. Auch eine fehlerhafte Applikation – zum Beispiel eine zu oberflächliche Injektion – kann die Immunantwort beeinträchtigen.

Ein weiterer Faktor ist die Immunevasion: Erreger, vor allem Viren wie Influenza oder SARS-CoV-2, verändern sich durch Mutation. Wenn sich die Oberfläche des Virus verändert, passen die vorhandenen Antikörper schlechter – der Schutz sinkt. Das ist der Hauptgrund, warum die Grippeimpfung jährlich angepasst werden muss.

Die Lösung bei primärem Impfversagen ist eine zweite Impfdosis. Bei Masern etwa reagieren die meisten Menschen, die auf die erste Dosis nicht angesprochen haben, auf die zweite. Sekundäres Impfversagen wird durch Auffrischungsimpfungen im empfohlenen Intervall behoben.

Impfreaktionen und Impfkomplikationen: Was ist normal, was ist selten?

Nach einer Impfung fühlen sich viele Menschen einen oder zwei Tage lang nicht ganz fit. Der Arm schmerzt, vielleicht gibt es leichtes Fieber oder Müdigkeit. Das ist kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist – im Gegenteil. Diese Reaktionen zeigen, dass das Immunsystem aktiv auf den Impfstoff reagiert.

Häufige Impfreaktionen

Lokale Reaktionen an der Einstichstelle – Rötung, Schwellung, Schmerz – treten je nach Impfstoff bei 2 bis 20 % der Geimpften auf. Systemische Reaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit betreffen 1 bis 10 %. Diese Beschwerden dauern in der Regel 1 bis 3 Tage und klingen ohne Behandlung ab. Eine Besonderheit zeigt sich nach COVID-19-Impfungen: Lymphknotenschwellungen treten bei 11 bis 16 % der Geimpften auf und können bis zu 30 Tage anhalten – deutlich länger als bei anderen Impfstoffen. Das ist ungewöhnlich, aber nicht gefährlich.

Bei Lebendimpfstoffen kann es zur bereits erwähnten Impfkrankheit kommen: ein masernähnlicher Ausschlag nach der MMR-Impfung (bei etwa 2 %) oder Gelenkschmerzen nach der Rötelnimpfung (bei etwa 5 %). Auch diese Reaktionen sind harmlos und selbstlimitierend.

Seltene Impfkomplikationen

Echte Impfkomplikationen – also unerwartete, medizinisch relevante Reaktionen – sind sehr selten. Im Durchschnitt treten schwere unerwünschte Ereignisse bei 58 pro einer Million Impfdosen auf. Zum Vergleich: Das entspricht einer Rate von 0,0058 %. Konkrete Beispiele aus der Fachliteratur:

  • Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion): 1 : 100.000
  • Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) nach Masernimpfung: 1 : 30.000
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS) nach Schweinegrippeimpfung: 1 : 1.000.000

Zum Vergleich: Die Erkrankung an Masern selbst führt bei etwa 1 von 1.000 Erkrankten zu einer Gehirnentzündung und bei 1 bis 2 von 1.000 zum Tod. Das Risiko der Impfkomplikation ist also um ein Vielfaches geringer als das Risiko der Erkrankung.

Häufigkeit von Impfreaktionen im Überblick (in % der Geimpften)

0 % 10 % 20 % 28 % 20 % Lokal (max.) 2 % Lokal (min.) 10 % Systemisch (max.) 1 % Systemisch (min.) 16 % Lymphknoten (COVID-19) Reaktionstyp
Häufigkeitsangaben je nach Impfstoff variabel. Schwere Nebenwirkungen (Ø 58 pro 1 Mio. Dosen) sind in dieser Skala nicht darstellbar.

Auffrischungsimpfungen: Wann und wie oft?

Wie lange ein Impfschutz hält, hängt stark vom Impfstofftyp und dem jeweiligen Erreger ab. Lebendimpfstoffe wie MMR und Varizellen schützen nach abgeschlossener Grundimmunisierung lebenslang – eine Auffrischung ist nicht nötig. Totimpfstoffe hingegen erfordern regelmäßige Auffrischungen, weil die Immunantwort über die Zeit nachlässt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut gibt klare Empfehlungen, wann welche Auffrischung sinnvoll ist. Tetanus und Diphtherie sollten alle 10 Jahre aufgefrischt werden – meist als kombinierter Tdap-Impfstoff, der auch Keuchhusten einschließt. Für Keuchhusten (Pertussis) empfiehlt die STIKO Erwachsenen eine einmalige Auffrischung, da der Schutz aus der Kindheit nachlässt und Erwachsene die Krankheit auf Säuglinge übertragen können, für die sie lebensgefährlich sein kann.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erfordert je nach Impfstoff und Alter alle 3 bis 5 Jahre eine Auffrischung – relevant für Menschen in Risikogebieten oder mit entsprechenden Freizeitaktivitäten. Poliomyelitis muss bei beruflichem oder reisebedingtem Risiko alle 10 Jahre aufgefrischt werden.

Die Grippeimpfung ist ein Sonderfall: Sie muss jährlich im Herbst neu verabreicht werden, weil sich Influenzaviren durch Antigendrift und Antigenshift ständig verändern. Der Impfstoff wird jedes Jahr neu an die voraussichtlich zirkulierenden Stämme angepasst. Der Schutz des Vorjahresimpfstoffs reicht für die neue Saison nicht aus.

Für COVID-19 empfiehlt die STIKO Risikogruppen eine jährliche Herbstimpfung: Personen ab 60 Jahren, Pflegeheimbewohner, Menschen mit relevanten Grunderkrankungen ab einem Alter von 6 Monaten sowie medizinisches und pflegendes Personal. Die STIKO definiert außerdem eine Basisimmunität: Mindestens 3 Antigenkontakte (durch Impfung oder Infektion, davon mindestens eine Impfstoffdosis) gelten als Grundlage für einen belastbaren Schutz.

Schutzdauer und Auffrischungsintervalle nach STIKO-Empfehlung
Impfung Schutzdauer Auffrischung
Masern, Mumps, Röteln (MMR)Lebenslang (nach 2 Dosen)Keine
Varizellen (Windpocken)LebenslangKeine
Tetanus & Diphtherie~10 JahreAlle 10 Jahre
Keuchhusten (Pertussis)BegrenztEinmalig als Erwachsener (Tdap)
Poliomyelitis~10 Jahre (bei Risiko)Alle 10 Jahre
FSME3–5 JahreAlle 3–5 Jahre
Influenza (Grippe)~1 JahrJährlich im Herbst
COVID-19 (Risikogruppen)~1 JahrJährlich im Herbst

Häufige Fragen zu Impfungen

Q Wie funktioniert eine Impfung im Körper?

Eine Impfung präsentiert dem Immunsystem Antigene eines Erregers. Daraufhin bildet der Körper Antikörper, aktiviert T-Zellen und legt Gedächtniszellen an. Bei erneutem Erregerkontakt reagiert das Immunsystem blitzschnell und verhindert die Erkrankung.

Q Verändert ein mRNA-Impfstoff meine DNA?

Nein. mRNA gelangt nicht in den Zellkern und wird nicht in die DNA eingebaut. Körperzellen lesen den Bauplan ab, produzieren das Antigen, dann wird die mRNA abgebaut. Das Erbgut bleibt vollständig unverändert.

Q Warum schützen Impfungen nicht immer zu 100 %?

Bei 1–10 % der Geimpften baut sich keine ausreichende Immunantwort auf. Gründe sind individuelle Immununterschiede, Alter, genetische Veranlagung, Immundefizienz, Virusmutationen sowie fehlerhafte Lagerung oder Applikation des Impfstoffs.

Q Bedeutet keine Impfreaktion, dass die Impfung nicht gewirkt hat?

Nein. Auch ohne spürbare Reaktion kann eine vollständige Immunantwort mit Gedächtniszellen aufgebaut werden. Das Fehlen von Rötung, Fieber oder Müdigkeit ist kein Zeichen mangelnder Wirksamkeit des Impfstoffs.

Q Warum muss ich mich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen?

Influenzaviren verändern sich ständig durch Antigendrift und Antigenshift. Der Impfstoff wird jährlich an die aktuell zirkulierenden Stämme angepasst. Der Vorjahresschutz reicht für die neue Saison nicht aus.

Q Was ist der Unterschied zwischen Impfreaktion und Impfkomplikation?

Impfreaktionen (Rötung, Fieber, Müdigkeit) sind harmlose, erwartbare Zeichen der Immunaktivierung und dauern 1–3 Tage. Impfkomplikationen sind seltene, medizinisch relevante Ereignisse wie Anaphylaxie (1:100.000) oder ITP (1:30.000).

Q Was ist Herdenimmunität und wie viele müssen geimpft sein?

Herdenimmunität entsteht, wenn genug Menschen immun sind, um die Erregerausbreitung zu stoppen. Bei Masern ist dafür eine Immunisierungsrate von etwa 95 % der Bevölkerung nötig – eine der höchsten Schwellen überhaupt.

Quellen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – infektionsschutz.de (Impfstoffarten, Immunsystem und Impfung)
  • Robert Koch-Institut – rki.de (RKI-Ratgeber Masern, STIKO-Impfkalender 2026)
  • Österreichisches Bundesministerium für Gesundheit – gesundheit.gv.at (Impfstoffarten, Impfreaktionen)
  • Rosenfluh Publikationen – rosenfluh.ch (Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen, AEFI-Zeitfenster)
  • Impfen.de – impfen.de (Lokale und systemische Impfreaktionen, Impfkrankheit)
  • Heimat Krankenkasse – heimat-krankenkasse.de (Lokale Impfreaktionen)
  • Bayerischer Rundfunk – br.de (UK Vaccine Surveillance Report, COVID-19-Schutzraten)