Auf einen Blick
Ältere Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke jedes Alters gelten als Risikogruppen mit besonderem Impfbedarf. Die STIKO empfiehlt für diese Gruppen spezifische Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, Herpes zoster, COVID-19 und weitere Erreger – teils mit höher dosierten oder adjuvantierten Sonderformulierungen. Ein aktueller Impfpass und ein jährliches Impfgespräch beim Hausarzt sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle STIKO-empfohlenen Impfungen vollständig.
Warum ältere Menschen und Risikogruppen besonders gefährdet sind
Das Immunsystem altert. Klingt banal, hat aber dramatische Konsequenzen: Ab etwa dem 60. Lebensjahr lässt die sogenannte Immunseneszenz nach – die Fähigkeit des Körpers, auf neue Erreger schnell und kraftvoll zu reagieren, nimmt messbar ab. Was für einen 30-Jährigen ein lästiger Schnupfen ist, kann für eine 75-jährige Person mit Herzinsuffizienz eine lebensbedrohliche Pneumonie werden.
Hinzu kommt: Chronisch kranke Menschen – ob mit Diabetes, COPD, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression – haben oft ein dauerhaft geschwächtes Abwehrsystem. Impfungen sind für diese Gruppen keine nette Empfehlung, sondern medizinische Notwendigkeit.
Laut Robert Koch-Institut (RKI) sterben in Deutschland jährlich zwischen 10.000 und 25.000 Menschen an Influenza-assoziierten Erkrankungen – der überwiegende Teil davon sind Menschen über 60. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Väter, Mütter, Großeltern.
STIKO-Empfehlungen für Senioren und chronisch Kranke im Überblick
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI aktualisiert ihre Empfehlungen jährlich. Für ältere Menschen und Risikogruppen gibt es einen klar definierten Impfplan – der sich deutlich vom Standardplan für Erwachsene unterscheidet.
Impfungen speziell für Personen ab 60 Jahren
Wer 60 Kerzen auf der Geburtstagstorte hat, sollte spätestens jetzt seinen Impfpass entstauben. Folgende Impfungen empfiehlt die STIKO ausdrücklich für diese Altersgruppe:
- Influenza: Jährlich, vorzugsweise mit dem Hochdosis-Impfstoff oder einem adjuvantierten Präparat
- Pneumokokken: Einmalig mit dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23), ggf. kombiniert mit PCV20
- Herpes zoster: Zweimalige Impfung mit dem Totimpfstoff (Shingrix) im Abstand von 2–6 Monaten
- COVID-19: Jährliche Auffrischimpfung, bevorzugt im Herbst
- Tetanus/Diphtherie/Pertussis: Auffrischung alle 10 Jahre (Td), einmalig mit Pertussis-Komponente (Tdap)
Zusätzliche Impfungen für chronisch Kranke
Bei bestimmten Grunderkrankungen erweitert sich der empfohlene Impfplan erheblich. Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen, chronischen Lungenerkrankungen oder Immunsuppression sollten zusätzlich über folgende Impfungen sprechen:
- Hepatitis B: Bei Niereninsuffizienz und Dialysepatienten
- Meningokokken ACWY und B: Bei funktioneller oder anatomischer Asplenie
- Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Bei Immundefizienzen
Welcher Impfstoff für wen? Der große Vergleich
Nicht jeder Impfstoff ist für jede Risikogruppe gleich gut geeignet. Besonders bei der Influenza-Impfung gibt es mittlerweile deutliche Unterschiede zwischen Standard- und Seniorenpräparaten.
| Impfstoff / Typ | Zielgruppe | Besonderheit | Wirksamkeit (relativ) | Kostenübernahme GKV |
|---|---|---|---|---|
| Influenza Hochdosis (z. B. Efluelda) | Ab 60 Jahre | 4-fache Antigenmenge gegenüber Standard | ~24 % besser als Standard | Ja (STIKO-Empfehlung) |
| Influenza adjuvantiert (Fluad) | Ab 65 Jahre | MF59-Adjuvans verstärkt Immunantwort | ~20 % besser als Standard | Ja (STIKO-Empfehlung) |
| Influenza Standard (tetravalent) | Allgemeinbevölkerung | 4 Virusstämme abgedeckt | Basis-Wirksamkeit | Ja (bei Indikation) |
| Pneumokokken PCV20 (Apexxnar) | Ab 60 J. / Risikogruppen | 20-valent, breite Abdeckung | Hoch bei invasiven Erkrankungen | Ja |
| Herpes zoster (Shingrix) | Ab 60 J. / ab 50 J. bei Risiko | Totimpfstoff, 2 Dosen nötig | >90 % Schutz vor Gürtelrose | Ja (seit 2023 vollständig) |
| COVID-19 mRNA (aktualisiert) | Ab 60 J. / Risikogruppen | Jährliche Anpassung an Varianten | Hoch gegen schwere Verläufe | Ja |
Ein Hinweis zur Tabelle: Die Wirksamkeitswerte sind relative Verbesserungen gegenüber dem jeweiligen Vergleichspräparat und stammen aus klinischen Studien sowie RKI-Auswertungen. Sie können je nach Saison und Virusstamm variieren.
So bereitest du dich auf die Impfberatung vor
Ein Arztgespräch über Impfungen dauert oft nur wenige Minuten. Wer gut vorbereitet kommt, holt deutlich mehr heraus. Hier ist eine bewährte Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Impfpass suchen und prüfen: Finde deinen gelben Impfausweis. Notiere alle vorhandenen Einträge mit Datum und Impfstoffname. Falls du keinen Impfpass mehr hast, kann die Hausarztpraxis oft frühere Impfungen aus der Patientenakte rekonstruieren.
- Grunderkrankungen auflisten: Schreibe alle chronischen Erkrankungen, Medikamente (besonders Immunsuppressiva, Kortison, Biologika) und bekannte Allergien auf. Diese Informationen sind entscheidend für die Impfempfehlung.
- STIKO-Empfehlungen vorab lesen: Auf der RKI-Website findest du den aktuellen Impfkalender als PDF. Markiere die für dein Alter und deine Erkrankungen relevanten Zeilen – das spart Zeit beim Arztgespräch.
- Termin gezielt anfragen: Bitte beim Terminieren explizit um ein „Impfberatungsgespräch". So hat die Praxis genug Zeit eingeplant und du wirst nicht zwischen Tür und Angel abgespeist.
- Fragen notieren: Schreibe konkrete Fragen auf – z. B. „Bin ich für den Hochdosis-Grippeimpfstoff geeignet?" oder „Wann war meine letzte Tetanus-Auffrischung?"
- Digitalen Impfnachweis beantragen: Nach der Impfung kannst du deinen Impfpass digital als Zertifikat beantragen und sicher auf dem Smartphone speichern.
- Nachsorge planen: Informiere dich vorab über mögliche Impfreaktionen und wie du sie richtig einordnest – das nimmt unnötige Sorgen nach der Impfung.
Chronisch kranke Menschen: Was du unbedingt wissen musst
Chronisch kranke Menschen stehen vor einem Paradox: Ihr Immunsystem ist oft geschwächt – und gleichzeitig reagiert es auf Impfungen manchmal anders als bei Gesunden. Das führt zu Verunsicherung. Darf ich mich impfen lassen, wenn ich Immunsuppressiva nehme? Ist die Impfung bei Autoimmunerkrankungen sicher?
Die kurze Antwort: In den allermeisten Fällen ja – und oft ist der Schutz sogar noch wichtiger als bei Gesunden.
Impfen bei Immunsuppression
Wer Medikamente nimmt, die das Immunsystem dämpfen (z. B. Methotrexat, Biologika, Kortison in hoher Dosis), sollte grundsätzlich keine Lebendimpfstoffe erhalten. Dazu gehören etwa MMR (Masern-Mumps-Röteln) oder der Varizellen-Impfstoff. Totimpfstoffe wie Shingrix, Influenza-Injektionen oder Pneumokokken-Impfstoffe sind hingegen sicher.
Der Zeitpunkt der Impfung spielt ebenfalls eine Rolle: Idealerweise wird vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie geimpft, wenn das Immunsystem noch voll reaktionsfähig ist.
Impfen bei Diabetes
Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionskrankheiten. Influenza kann bei Diabetikern zu gefährlichen Blutzuckerschwankungen führen. Die jährliche Grippeimpfung ist hier keine Option, sondern Pflicht – ebenso wie die Pneumokokken-Impfung.
Impflücken im Alter schließen – so geht's
Viele Menschen über 60 haben Impflücken, ohne es zu wissen. Besonders häufig fehlen: Pertussis (Keuchhusten), Herpes zoster und – seit der Pandemie – aktualisierte COVID-19-Auffrischungen. Manchmal sind Impfungen aus der Kindheit schlicht abgelaufen.
Das Gute: Es ist nie zu spät. Fehlende Impfungen können in jedem Alter nachgeholt werden. Für Erwachsene ohne vollständige Grundimmunisierung gibt es spezielle Nachholschemata.
Wer seinen Impfstatus umfassend prüfen lassen möchte, kann auch einen Antikörpertest durchführen lassen. Dabei wird im Blut gemessen, ob noch ausreichend Schutz gegen bestimmte Erreger besteht. Dieser Test ist allerdings nicht für alle Impfungen aussagekräftig und wird von den Kassen nicht immer erstattet.
Mehr Hintergründe zur Coronavirus-Impfung in Deutschland findest du in unserem ausführlichen Ratgeber – inklusive aktueller Empfehlungen für Risikogruppen.
Häufige Fragen und Missverständnisse rund ums Impfen im Alter
„Ich bin doch schon alt, da bringt Impfen nichts mehr." Diesen Satz hört man leider noch immer. Er ist falsch. Studien zeigen klar: Auch im hohen Alter baut der Körper nach einer Impfung einen messbaren Schutz auf – er braucht nur manchmal etwas länger und profitiert von speziell formulierten Impfstoffen.
Ein weiteres Missverständnis: „Ich hatte die Krankheit schon, ich bin immun." Das stimmt bei manchen Erkrankungen – aber nicht bei allen. Herpes zoster etwa kann auch nach einer durchgemachten Windpocken-Erkrankung auftreten, weil das Varizella-Zoster-Virus lebenslang im Nervensystem schlummert. Die Impfung reduziert das Reaktivierungsrisiko drastisch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Impfungen sind für ältere Menschen ab 60 Jahren besonders wichtig?
Für ältere Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO besonders: Influenza (jährlich, Hochdosis), Pneumokokken, Herpes zoster (Shingrix, 2 Dosen) und COVID-19 (jährliche Auffrischung). Dazu kommen reguläre Auffrischungen gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis alle 10 Jahre.
Dürfen chronisch kranke Menschen geimpft werden?
Ja, chronisch kranke Menschen dürfen und sollten geimpft werden. Bei Immunsuppression sind Totimpfstoffe sicher, Lebendimpfstoffe hingegen meist kontraindiziert. Der behandelnde Arzt klärt im Einzelfall, welche Impfungen geeignet sind und wann der optimale Zeitpunkt ist.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Impfungen bei Risikogruppen?
Alle von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen – ohne Zuzahlung. Das gilt auch für Sonderimpfstoffe wie den Hochdosis-Grippeimpfstoff oder den Herpes-zoster-Impfstoff Shingrix für Personen ab 60 Jahren.
Was ist der Unterschied zwischen dem normalen und dem Hochdosis-Grippeimpfstoff?
Der Hochdosis-Grippeimpfstoff enthält die vierfache Antigenmenge des Standardpräparats. Er wurde speziell für ältere Menschen entwickelt, deren Immunsystem schwächer auf Standardimpfstoffe anspricht. Studien zeigen eine etwa 24 Prozent bessere Schutzwirkung gegenüber dem normalen Grippeimpfstoff.
Wie oft muss man sich gegen Herpes zoster impfen lassen?
Die Herpes-zoster-Impfung mit Shingrix erfordert zwei Dosen im Abstand von 2 bis 6 Monaten. Nach vollständiger Grundimmunisierung ist derzeit keine Auffrischimpfung vorgesehen. Die Schutzwirkung beträgt über 90 Prozent und bleibt laut Studiendaten mindestens 10 Jahre stabil.
Kann ich mich in der Apotheke gegen Grippe impfen lassen?
Ja, seit 2022 dürfen Apotheken in Deutschland Erwachsene gegen Influenza, COVID-19 und weitere Erkrankungen impfen. Das ist besonders praktisch für ältere Menschen, die keinen festen Hausarzt haben oder mobilitätseingeschränkt sind. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Wie erkenne ich, ob mein Impfschutz noch ausreichend ist?
Den sichersten Überblick gibt ein vollständiger Impfpass. Alternativ kann ein Antikörpertest im Blut den Schutzstatus für bestimmte Erkrankungen messen. Am einfachsten ist ein Impfberatungsgespräch beim Hausarzt, der den Impfstatus anhand der Patientenakte und des Impfpasses prüft.